* Michael Meier ist Schulleiter und Dozent an der ibW Höhere Fachschule SĂŒdostschweiz, GĂŒrtelstrasse 48, 7000 Chur, Telefon +41 81 403 22 25.
Im 19. Jahrhundert wurde in der Schweiz das duale Bildungssystem eingefĂŒhrt, um den Bedarf der Industrie nach qualifizierten FachkrĂ€ften zu decken und berufliche Bildung gesellschaftlich anzuerkennen. Dieses System, das weltweit grosse Beachtung findet, kombiniert praktische Ausbildung in Betrieben mit theoretischem Unterricht in Berufsschulen. Besonders hervorzuheben sind:
â PraxisnĂ€he der Ausbildung: Jugendliche können aus rund 250 Berufen die zu ihnen passende Ausbildung wĂ€hlen und erhalten damit einen ersten Zugang zum Arbeitsmarkt.
â Hohe QualitĂ€t: Zusammen mit den BerufsverbĂ€nden sorgen die Arbeitgeber in den eigenen Reihen professionell fĂŒr qualifizierten Nachwuchs an Fach- und FĂŒhrungskrĂ€ften.
â Niedrige Jugendarbeitslosigkeit: Durch die enge Verbindung von Ausbildung und Arbeitsmarkt ist die Jugendarbeitslosigkeit in der Schweiz mit 2.5% seit Jahren rekordtief.
â FlexibilitĂ€t: Manche Jugendliche entdecken ihren Wunschberuf erst spĂ€ter. Die grosse DurchlĂ€ssigkeit ermöglicht in Kooperation mit weiterbildenden Schulen unterschiedlichste erfolgreiche Karrierewege.
Seit der Bologna-Reform vor ĂŒber 25 Jahren gibt es jedoch Unzufriedenheit in der Höheren Berufsbildung, da die finanzielle UnterstĂŒtzung je nach TertiĂ€r-Stufe und die internationale Anerkennung stark variieren.
GraubĂŒnden ĂŒbernimmt Pionierrolle in der StĂ€rkung der Höheren Berufsbildung
Zum gezielten Ausbau des wichtigen Bereiches der Höheren Berufsbildung hat die BĂŒndner Regierung ein Gesetz entworfen, das die Institutionen der Höheren Berufsbildung explizit fördert und es fĂŒr alle Beteiligten attraktiver machen soll, auch in Randregionen eine breite Palette an marktorientierten Ausbildungen in der Region zu fördern. Damit soll ein wesentlicher Beitrag zur Versorgung der BĂŒndner Wirtschaft mit FachkrĂ€ften geleistet werden. Mit diesem Gesetz ĂŒbernimmt der Kanton GraubĂŒnden in der Schweiz eine Pionierrolle und setzt eine klares Zeichen fĂŒr die Gleichwertigkeit akademischer und berufsorientierter Bildungswege.
Bund regelt Titelfrage
Mehr oder weniger zeitgleich hat der Bundesrat im FrĂŒhling dieses Jahres ein Massnahmepaket zur StĂ€rkung der höheren Berufsbildung beschlossen mit dem Ziel, die Sichtbarkeit und das Ansehen der höheren Berufsbildung zu verbessern. Nach jahrelanger Diskussion sollen nun (endlich) die TitelzusĂ€tze «Professional Bachelor» und «Professional Master» fĂŒr AbschlĂŒsse in der höheren Berufsbildung eingefĂŒhrt werden. Dies wird es den FachkrĂ€ften u.a. ermöglichen, sich auf dem Arbeitsmarkt besser positionieren und vermarkten zu können. KĂŒnftig sollen ausserdem Nachdiplomstudien, sogenannte «NDS HF», eigenstĂ€ndig von Höheren Fachschulen lanciert werden können. Dies wird fĂŒr mehr Wettbewerb im Weiterbildungsbereich sorgen und den Berufsleuten zeitnah mehr praxisorientierte Weiterbildungsangebote zur Auswahl stellen.
Fazit
Die geplanten Gesetze des Bundes und des Kantons GraubĂŒnden sind zukunftsweisend. Sie werden das duale Berufsbildungssystem stĂ€rken sowie dem FachkrĂ€ftemangel entgegenwirken.
Infokasten
In sich rasch verĂ€ndernden Zeiten ist es zentral, mit Bildungsinstitutionen zusammenarbeiten zu können, die auf die BedĂŒrfnisse des Arbeitsmarktes ausgerichtet sind. Die Höhere Wirtschaftsschule GraubĂŒnden (
www.hwsgr.ch), bzw. die ibW Höhere Fachschule SĂŒdostschweiz (
www.ibw.ch) sind seit Jahren darauf spezialisiert, marktgerechte Angebote in verschiedensten Disziplinen anzubieten. Mehrheitlich fĂŒhren die Kurse zu einem eidgenössisch anerkannten Abschluss.
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