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Mit Promotoren Widerstände überwinden

Widerstand ist menschlich. Vor allem bei unerwarteten Veränderungen und solchen, die ungefragt ‘von oben’ kommen, ist es jedoch eine ganz natürliche Reaktion. Neue Mitarbeitende sind auch eine Veränderung, zum Beispiel für ein bestehendes Team und die ‘Neuen’ spüren oft direkte oder diffuse Widerstände. 
Veröffentlicht am 07.10.2022 von Südostschweizjobs.ch
Widerstand ist menschlich. Vor allem bei unerwarteten Veränderungen und solchen, die ungefragt ‘von oben’ kommen, ist es jedoch eine ganz natürliche Reaktion. Neue Mitarbeitende sind auch eine Veränderung, zum Beispiel für ein bestehendes Team und die ‘Neuen’ spüren oft direkte oder diffuse Widerstände. 

von Dr. Nico Tschanz, Leiter des KMU-Zentrum Graubünden und Dozent an der Fachhochschule Graubünden FHGR

Gute Führungskräfte wissen, wie aus Widerstand neue Motivation geboren wird. Sie achten auf Signale und kennen Instrumente, um Mitarbeitende oder ganze Teams nach Veränderungen wieder zu gewinnen. Dieses Wissen ist aber auch für alle Mitarbeitenden nützlich, um sich rasch orientieren zu können und die geeigneten Hebel zu betätigen. 

Verhindern –  Verzögern – Verformen

Widerstand hat drei Grundwirkungen. Das Verhindern äussert sich durch offenen, ausgesprochenen Widerstand oder durch verdeckten, unausgesprochenen Widerstand. Typisch für diese beiden Haltungen ist das flankierende Mobilisieren von Gleichgesinnten und das Sammeln von Argumenten. Für das Verzögern ist vordergründiges Unterstützen eine typische Haltung. Positiv klingende Empfehlungen, etwa weitere Untersuchungen, Tests oder Gutachten sind hierfür typische Beispiele als Instrumente des Widerstandes. Das Verformen zeigt sich, wenn bei geäusserter Zustimmung nicht ganz im Sinne des Vereinbarten gehandelt wird. Es werden Anpassungen gemacht oder Alternativen werden hervorgebracht. 

Ursachen von Widerständen

Nicht wollen, nicht wissen, nicht können und nicht dürfen: Hinter diesen vier Ursachen von Widerstand verbergen sich in der Regel die wahren Gründe. Sie zu kennen, macht diese Ursachen greifbarer. Hinter dem «Nicht-Wollen» können sachliche Gründe stehen, wie zum Beispiel der Mangel an einer bestimmen Ressource. Zum Nicht-Wollen gehören aber auch weltanschauliche, machtpolitische und persönliche Gründe. Sie können oft nicht gelöst, aber mit Umsicht und Respekt umgangen oder gemildert werden.

«Nicht-Wissen» kann grundsätzlich gemildert werden durch Wissensvermittlung und Aufklärung. Wenn es aber die für alle noch unbekannten Auswirkungen einer Veränderung betrifft, weil es schlicht zu komplex ist, dann hilft auch die beste Aufklärung nichts. Besser ist es dann, die Sache zu vereinfachen, in kleinen Schritten vorgehen. 
«Nicht-Können» hingegen ist nicht dasselbe wie Nicht-Wissen. Nicht-Können bedeutet, dass ein Werkzeug, eine Methode oder eine Berechtigung fehlt. Zumindest ein Teil der Lösung liegt auf der Hand, sobald bekannt ist, was fehlt. 
Schliesslich ist «Nicht-Dürfen» ähnlich wie Nicht-Können, es gibt aber objektive Gründe für den Widerstand. Zum Beispiel, dass es nicht den Zielen entspricht oder dass es vom Prozess und der Kultur des Unternehmens her nicht erlaubt oder negativ gesehen ist. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn eine bisher feste Hierarchie oder eine vertrauensvolle Freundschaft gefährdet wird. 

Die Kenntnis dieser Grundwirkungen und Ursachen ist in jeder Situation und für Mitarbeitende wie Vorgesetzte hilfreich. Schlussendlich bildet sich ein «neues Normal», Alltagsroutine und eine neue Motivation als Ergebnis heraus. Es kann nur verlangsamt oder beschleunigt werden. Um zum neuen Normal oder der neuen Motivation hin Zugkraft zu entwickeln, ist die Kenntnis von Promotoren und Opponenten ein gutes Mittel, die Überwindung von Widerstand zu beschleunigen. 

Promotoren als Beschleuniger

Promotoren sind Personen mit positiver Einstellung gegenüber einer Veränderung. Zum Beispiel, weil sie aus einer konkreten Veränderung für sich einen Schritt nach vorn erwarten können. Wer Promotoren für sich gewinnen will, unterscheidet in potenzielle und echte Promotoren: Potenzielle Promotoren sind vom Verhalten her schwach oder gar negativ, werden aber zu echten Promotoren, wenn man ihnen die Hilfe bietet, Ihre eigentlich positive Akzeptanz auch offen zu vertreten. Promotoren unterscheiden Veränderungsprofis zudem in Macht-, Prozess-, Beziehungs- und Fachpromotoren. Jeder Promotorentyp hat seine besonderen Fähigkeiten und kann sehr erfolgswirksam eingesetzt werden. Opponenten können mit Ihnen leichter zu Promotoren entwickelt werden. 

Die gute Kenntnis der Konzepte der Widerstände hilft bei der Überwindung von Widerständen nach Veränderungen. Es hilft aber auch dabei, sich selbst in einer unsicheren Situation besser zu verstehen, oder gar dabei, sich selbst an der Nase zu nehmen und so vom Opponentenlager zu den Promotoren zu wechseln. 

Bild: zVg