Wer sich bewirbt, sollte nicht nur Lebenslauf und Bewerbungsschreiben überprüfen. Auch die eigenen Social-Media-Profile können einen Eindruck bei potenziellen Arbeitgebern hinterlassen. Umso wichtiger ist es, zu wissen, was öffentlich sichtbar ist, was besser privat bleibt und welche Inhalte zum Problem werden können.
Grundsätzlich können Arbeitgeber und Personalverantwortliche öffentlich zugängliche Informationen im Internet finden. Dazu gehören auch Social-Media-Profile, öffentliche Beiträge, Kommentare oder Fotos.
Gleichzeitig bedeutet die Auffindbarkeit nicht automatisch, dass ein Arbeitgeber sämtliche Informationen für eine Personalentscheidung verwenden darf. In der Schweiz müssen Personendaten im Bewerbungsprozess einen Zusammenhang mit der Eignung für die konkrete Stelle haben.
Für Bewerber bleibt trotzdem eine einfache Tatsache: Was öffentlich im Internet zu finden ist, kann den persönlichen Eindruck beeinflussen.
Deshalb lohnt es sich, vor einer Bewerbung einmal selbst zu prüfen, welchen Eindruck die eigene digitale Präsenz vermittelt.
Ob ein Social-Media-Profil öffentlich oder privat sein sollte, hängt vor allem davon ab, wie man die jeweilige Plattform nutzt.
Wer Social Media hauptsächlich privat nutzt, muss sein persönliches Profil nicht für potenzielle Arbeitgeber öffnen. Es ist durchaus sinnvoll, private Inhalte nur für Freunde oder einen definierten Personenkreis sichtbar zu machen.
Anders kann es aussehen, wenn Social Media bewusst für die berufliche Positionierung genutzt wird. Fachliche Beiträge, Projekte, berufliche Erfolge oder ein Portfolio können je nach Tätigkeit eine Bewerbung sinnvoll ergänzen.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: „Soll mein Social-Media-Profil öffentlich sein?“
Sondern: „Welche Inhalte möchte ich bewusst öffentlich zeigen?“
Wer sein Profil auf «privat» stellt, reduziert die öffentliche Sichtbarkeit persönlicher Inhalte deutlich. Eine Garantie dafür, dass Informationen niemals nach aussen gelangen, ist das allerdings nicht.
Beiträge können beispielsweise geteilt, fotografiert oder per Screenshot gespeichert werden. Auch Kommentare auf öffentlichen Seiten oder Beiträge anderer Personen können sichtbar bleiben.
Deshalb gilt: Private Einstellungen sind sinnvoll, ersetzen aber einen bewussten Umgang mit den eigenen Inhalten nicht.
Vor einer Bewerbung lohnt sich ein kurzer Rundgang durch die eigenen digitalen Profile. Dabei geht es nicht nur um die Social Media Plattformen, die man regelmässig nutzt, sondern auch etwelche "Altlasten" wo noch auffindbar sind, auch wenn man den Kanal gar nicht mehr aktiv nutzt.
Auch eine Suche nach dem eigenen Namen über eine Suchmaschine kann aufschlussreich sein. So lässt sich relativ schnell feststellen, welche Informationen oder Bilder für fremde Personen sichtbar sind.
Nicht jeder private Beitrag muss professionell wirken. Bewerber dürfen selbstverständlich ein Privatleben haben und persönliche Interessen zeigen. Es gibt jedoch Inhalte, die einen unnötig negativen Eindruck hinterlassen können.
Rassistische, sexistische, menschenverachtende oder andere diskriminierende Aussagen gehören zu den problematischsten öffentlichen Inhalten. Das gilt insbesondere dann, wenn eindeutig erkennbar ist, dass die Aussagen vom Bewerber selbst stammen.
Wer ehemalige Arbeitgeber, Vorgesetzte oder Arbeitskollegen öffentlich beleidigt oder massiv über sie herzieht, hinterlässt keinen guten Eindruck. Auch wenn die Kritik aus Sicht der betreffenden Person berechtigt sein mag, sollte man sich überlegen, ob sie tatsächlich öffentlich diskutiert werden muss.
Interne Informationen aus dem Arbeitsalltag gehören nicht auf Social Media. Hier geht es nicht mehr nur um den Eindruck bei einem potenziellen Arbeitgeber. Je nach Situation können auch arbeitsrechtliche oder andere rechtliche Konsequenzen entstehen.
Wenn Angaben im Lebenslauf und öffentlich zugängliche Informationen nicht zusammenpassen, kann das Fragen aufwerfen. Das betrifft beispielsweise berufliche Stationen, Funktionen, Ausbildungen oder Zeitangaben.
Bewerber sollten deshalb darauf achten, dass ihre beruflichen Angaben über verschiedene Plattformen hinweg möglichst konsistent sind.
Nicht nur eigene Beiträge können auffallen. Auch öffentliche Kommentare oder Diskussionen können Teil des digitalen Eindrucks sein. Besonders problematisch sind aggressive, beleidigende oder offensichtlich respektlose Beiträge.
Private Fotos oder persönliche Interessen sind grundsätzlich kein Problem. Kritisch kann es werden, wenn öffentlich zugängliche Inhalte ein deutlich unprofessionelles Bild vermitteln oder in einem starken Widerspruch zur angestrebten beruflichen Rolle stehen.
Dabei sollte allerdings nicht der Eindruck entstehen, dass Bewerber ihr Privatleben verstecken müssen. Entscheidend ist das Gesamtbild.
Ein kompletter digitaler Frühjahrsputz ist normalerweise nicht notwendig. Ein kurzer Check ist aber durchaus sinnvoll. Fragen Sie sich dabei:
Wer dabei auf problematische Inhalte stösst, kann prüfen, ob diese gelöscht oder die Sichtbarkeit eingeschränkt werden kann.
Social Media ist für Unternehmen und Personalverantwortliche längst nicht nur ein privater Kommunikationskanal. Digitale Plattformen können auch für die Personalsuche eingesetzt werden. Moderne Recruitinglösungen ermöglichen es Unternehmen beispielsweise, potenziell passende Personen über verschiedene digitale Kanäle anzusprechen oder Informationen aus unterschiedlichen Quellen für die Kandidatensuche zu nutzen.
Für Bewerber bedeutet das: Die eigene digitale Präsenz kann nicht nur über eine klassische Bewerbung sichtbar werden.
Das muss kein Nachteil sein. Wer interessante fachliche Inhalte veröffentlicht, Projekte zeigt oder seine beruflichen Kompetenzen online präsentiert, kann dadurch zusätzliche positive Signale setzen.
Entscheidend ist, dass diese Sichtbarkeit bewusst erfolgt.
Nicht unbedingt. Wer sämtliche Profile auf privat stellt, reduziert zwar die Auffindbarkeit persönlicher Inhalte. Gleichzeitig können dadurch aber auch positive Informationen unsichtbar werden. Für manche Berufe kann beispielsweise ein öffentliches Portfolio, ein professioneller Auftritt oder die Präsentation eigener Projekte sinnvoll sein.
Eine gute Strategie kann deshalb sein, private und berufliche Inhalte voneinander zu trennen:
Ein kurzer Social-Media-Check gehört heute genauso zur Bewerbungsvorbereitung wie die Kontrolle des Lebenslaufs.
Besonders wichtig sind:
Wer sich bewirbt, muss sein Privatleben nicht aus dem Internet verbannen. Ebenso wenig muss jedes Social-Media-Profil öffentlich zugänglich sein. Sinnvoller ist ein bewusster Umgang mit der eigenen digitalen Präsenz: Private Inhalte dürfen privat bleiben, während beruflich relevante Informationen gezielt sichtbar gemacht werden können.
Dabei sollten Bewerber immer im Hinterkopf behalten, dass öffentliche Inhalte gefunden, geteilt und weiterverbreitet werden können.
Der beste Grundsatz lautet deshalb: Nicht alles muss öffentlich sein – aber alles Öffentliche sollte bewusst gewählt sein.