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Bei einer beruflichen Veränderung das Privatleben nicht ausser Acht lassen

Work-Life-Balance – also die gesunde Mischung von Berufs- und Privatleben – möchten alle erreichen. Wie lassen sich aber berufliche und private Ziele, Anforderungen, Fähigkeiten, zeitliche und finanzielle Möglichkeiten unter einen Hut bringen? Ein neuer Ansatz in der Laufbahnberatung versucht, alle Aspekte des Lebens zu beleuchten, nicht nur die beruflichen.
Veröffentlicht am 31.01.2020 von Südostschweizjobs.ch
Berufsziele und private Wünsche definieren – und in Einklang bringen.
Work-Life-Balance – also die gesunde Mischung von Berufs- und Privatleben – möchten alle erreichen. Wie lassen sich aber berufliche und private Ziele, Anforderungen, Fähigkeiten, zeitliche und finanzielle Möglichkeiten unter einen Hut bringen? Ein neuer Ansatz in der Laufbahnberatung versucht, alle Aspekte des Lebens zu beleuchten, nicht nur die beruflichen.

von Ursina Kipfmüller, dipl. Berufs-, Studien- und Laufbahnberaterin beim Amt für Berufsbildung Graubünden

Weiterbildungen, beruflicher Aufstieg, lebenslanges Lernen – das sind Schlagworte, die das moderne Berufs¬leben prägen. Dass einem der Lehrberuf gefällt, und man gerne als Schreiner oder Malerin arbeitet oder dass die Familie 
im Moment wichtiger ist als die Karriere, ist nicht «in» (zumal ein Lehrabschluss in der Schweiz eine vergleichsweise gut qualifizierende Ausbildung ist!). Man muss doch weiterkommen im Beruf, Karriere machen! Dies alles zeugt davon, dass sich viele Menschen sehr stark über die Berufs- und Arbeitswelt definieren und dort auch ihre Ziele setzen. Aber was möchte man im Privatleben erreichen, in der Partnerschaft, in der Familie, mit meinen Hobbys? Wer sich zu wenig um sein Leben neben dem Beruf kümmert, bekommt dies spätestens bei einer Arbeitslosigkeit, Invalidität oder bei der Pensionierung schmerzlich zu spüren.

Persönliche Ziele definieren

Bei der klassischen Laufbahnberatung stehen vielfach die beruflichen Ziele im Fokus. Einen neuen Job mit mehr Verantwortung annehmen, dafür jeden Tag länger arbeiten müssen oder eine zweijährige Weiterbildung absolvieren – klingt alles gut! Aber was sagen die Familie oder das Portemonnaie dazu? 
Andreas Hirschi, Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Universität Bern, stellt nun ein neues Modell zur Laufbahnberatung vor. Darin bekommen persönliche Ziele, aber auch die Ressourcen und das Umfeld ein besonderes Gewicht. Die geplante berufliche Karriere oder die Weiterbildung wird in Beziehung zu den persönlichen Lebensumständen und Zielen gesetzt. Es gilt also, Ziele, Anforderungen, Werte und Ressourcen im beruflichen wie im privaten Leben zu definieren. Zum Beispiel: «Ich mache nächstes Jahr eine Weltreise», «ich unternehme jedes Wochenende etwas mit meiner Familie», «ich renoviere mein Maiensäss» oder «ich bilde mich fachlich weiter». 

Das Sowohl-Als-Auch prüfen

Anforderungen könnten beispielsweise die Erkrankung eines Kindes oder der betagten Eltern sein. Die zeitlichen und finanziellen Ressourcen sowie die eigenen Fähigkeiten und die soziale Unterstützung spielen ebenfalls eine grosse Rolle. Erst wenn alle Wünsche, Ziele, Möglichkeiten aber auch Hindernisse auf dem Tisch liegen, ist es möglich, einen Handlungsplan zu erarbeiten, da sich einzelne Faktoren begünstigen aber auch behindern können. 
Welche Ziele sind im Moment die Wichtigsten? Welche sind zurückzustellen? Gibt es Teilziele? Bestehen andere Möglichkeiten? Die Entscheidung zwischen zwei Optionen – z. B. Familie gründen oder Weltreise – ist oft mit einem Verlustgefühl verbunden. Anstelle eines Entweder-Oders gibt es eventuell auch ein Sowohl-Als-Auch oder sogar eine dritte Möglichkeit: nämlich die Welt mit der Familie oder Teilen davon zu entdecken.

Nicht nur das Berufsleben ist wichtig

Die Ressourcen – vor allem die finanziellen – spielen eine nicht zu unterschätzende Rolle. So bleibt eine Weltreise für diejenigen nur ein schöner Traum, die gerade genug zum Leben verdienen und nichts sparen können. Dann kommt vielleicht doch zuerst die berufliche Weiterbildung in Frage, damit ein besser bezahlter Job in Reichweite liegt und Geld für die Reise auf die Seite gelegt werden kann.
Wer nun also vorerst in seinem Lehrberuf arbeitet – vielleicht sogar Teilzeit – dafür mehr Zeit mit der Familie verbringt, Hobbys pflegt oder sich um die älter werdenden Eltern kümmert, ist keineswegs «out», sondern hat sich vielmehr genau überlegt, was in seinem Leben sonst noch wichtig ist. noch wichtig ist.

 

Bild: zVg