Jenseits des Lohngefälles: Die unsichtbaren Hürden für Frauen im Beruf - suedostschweizjobs.ch
804 Artikel für deine Suche.

Jenseits des Lohngefälles: Die unsichtbaren Hürden für Frauen im Beruf

Veröffentlicht am 04.01.2024
Jenseits des Lohngefälles: Die unsichtbaren Hürden für Frauen im Beruf
Vom äusseren Erscheinungsbild über den Halo-Effekt bis hin zu hartnäckigen Stereotypen und unterschwelligem sowie verstecktem Sexismus: Frauen stehen im Arbeitsleben vor einer Reihe von Herausforderungen, die über die blosse Fachkompetenz hinausgehen. Dass diese Diskriminierung hingegen den Unternehmen viel potenziellen Gewinn entbehrt, bedenkt dabei kaum jemand. 
von Emilia Sommerau, Redaktorin Commercial Publishing bei Somedia Promotion

Trotz des enormen Fortschrittes im beruflichen Umfeld stehen Frauen immer noch vor einer einer Vielzahl an Herausforderungen: Jenseits von Qualifikation und Fachkompetenz müssen sie sich mit Stereotypen, Vorurteilen und Sexismus auseinandersetzen und auch noch im Jahr 2023 für eine angemessene und gerechte Entlohnung kämpfen (Die aktuellsten Zahlen des Bundesamts für Statistik von 2020 zeigen einen Lohnunterschied von 10,8 Prozent zwischen Frauen und Männern, mit einem Anteil unerklärter Lohnunterschiede von 45,3 Prozent).
 
Der erste Eindruck zählt noch immer
In einer Welt, in der das Aussehen durch Social Media immer mehr in den Fokus gerückt wird, zählt der erste Eindruck mehr als jemals zuvor. Leider kann das äussere Erscheinungsbild insbesondere für Frauen am Arbeitsplatz zu einer kniffligen und mühsamen Angelegenheit werden. Während der sogenannte Halo-Effekt dazu führt, dass attraktive Personen unabhängig des Geschlechts vor allem bei hochrangigen Stellenangeboten bevorzugt werden, führt der «Femme Fatale-Effekt» für Frauen später zum Gegenteil: Eine Studie der Washington State University zeigt, dass attraktiven Männern in Führungspositionen positive Attribute zugeordnet wurden, während attraktive Frauen in Führungspositionen als weniger aufrichtig und vertrauenswürdig  wahrgenommen wurden – unabhängig der Branche.
 
Die Schweiz hat eine gläserne Decke
Bis eine Frau hingegen eine Spitzenposition in einem Unternehmen einnehmen kann, trifft die auf eine Vielzahl an Barrieren wie zum Beispiel Stereotype, Vorurteile, fehlender oder erschwerter Zugang zu Netzwerken etc. Der Glass Ceiling Index GCI, welches der britische «Economist» publiziert, misst das Ausmass ebendieser Hindernisse für Frauen aus Ländern, die dem OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) angehören. Von den 29 angehörigen Ländern findet sich die Schweiz auf Platz 26 vor. Der «Gender Intelligence Report» der Universität St. Gallen von 2022 führt die erschwerten Bedingungen von Frauen auf die Schweizer Kultur zurück, in welcher Führung noch immer mit dem typischen Männerbild in Verbindung gebracht wird.
 
Frauen in Führung bringen mehr Gewinn
Diese Art der Diskriminierungen von Frauen am Arbeitsplatz sind nicht nur ein Zeichen von veraltetem und sexistischem Gedankengut in der Arbeitswelt, sondern bringen auch nachweisliche Nachteile und verpasste Gelegenheiten für die Unternehmen an sich: Forschungsergebnisse des Europäischen Investitionsfonds zeigen, dass frauengeführte Unternehmen in den Bereichen Umwelt, Soziales, Governance und Innovation besser abschneiden als Unternehmen, die von Männern geführt werden. Auch zeigt eine Studie der Boston Consulting Group, dass Frauen – auch wenn sie vor grösseren Herausforderungen für die Kreditvergabe stehen als ihre männlichen Kollegen – pro investiertem Dollar doppelt so viel erwirtschaften als Männer. So läge die bedingungslose Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern am Arbeitsplatz klar im Interesse von gewinnorientierten Unternehmen – doch auch Männer würden im Arbeitsalltag davon profitieren.
 
Gleichberechtigung betrifft auch Männer
Eine gängige Kritik an den Forderungen zur Gleichberechtigung befasst sich mit der Rolle der Männer: Diese würden, wenn den Forderungen der Frauen am Arbeitsplatz Gehör geschenkt werden würde, unter dem neuen System zu leiden haben und Nachteile daraus ziehen. Dass dem nicht so ist, zeigen Forschungen von Catalyst und anderen Organisationen und führen eine Vielzahl an Vorteile für Männer auf, die durch Förderung von Gleichberechtigung erfahren werden können. So geht Gleichberechtigung am Arbeitsplatz oft mit flexibleren Arbeitsbedingungen einher (v.a. um Beruf, Privatleben und Familie in Einklang zu bringen) und führt langfristig zu gesteigerter Arbeitszufriedenheit bei Männern. Die höhere Innovationsfähigkeit des Unternehmens und dazugehörende Gewinnsteigerungen zeigen sich ebenfalls in besseren Karrierechancen und beruflichem Erfolg. Dazu können Männer, dank dem Durchbrechen der Rollenklischees, freier ihre persönlichen und beruflichen Ziele verfolgen, ganz ohne sich den Erwartungen an traditionellem männlichen Verhalten unterwerfen zu müssen.

Bild:123rf