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Und plötzlich gehts leicht von der Hand: Glaubenssätze erkennen und auflösen

Veröffentlicht am 23.12.2022
Positive Glaubenssätze sind für das gesamte Unternehmen ein Gewinn.
Förderliche Glaubenssätze helfen, ein positives Selbstbild zu entwickeln. Und wer seinen Wert kennt und sich schätzt, dem fällt es leichter, Erfolge und positive Rückmeldungen ebenso wie Misserfolge und Kritik anzunehmen, einzuordnen oder zu verarbeiten. 

von Karin Juntke, Coach und HR-Spezialistin 

Jeder Mensch hat Glaubenssätze, von denen er zutiefst überzeugt ist: Glaubenssätze sind vorgefertigte Meinungen und Annahmen, die so sehr verinnerlicht wurden, dass sie nicht infrage gestellt werden. Das eigene Handeln richtet sich unbewusst nach ebendiesen Glaubenssätzen aus. «Ich muss mehr arbeiten als alle anderen», «Ich kann niemandem vertrauen» und «Erst die Arbeit, dann das Vergnügen» sind solche Glaubenssätze.

Meist stammen die Glaubenssätze aus der Kindheit und wurden durch Eltern, Lehrpersonen oder anderen Bezugspersonen weitergegeben. Manche hingegen sind tief in der kollektiven Wahrnehmung verankert.

Während förderliche Glaubenssätze in schwierigen Situationen Vertrauen und Sicherheit geben, sabotieren hinderliche Glaubenssätze die persönliche Entwicklung: Man steht sich selbst im Weg. Weil Glaubenssätze automatisch und unbewusst wirken, ist es wichtig, sie zu erkennen und kennenzulernen.

Glaubenssätze erkennen und entlarven

Glaubenssätze prägen die Erfahrungen und das Leben stark, und dennoch ist es meist nicht leicht, sie zu benennen. Sie agieren wie Programme, die im Hintergrund ablaufen und nicht präsent sind.

Wurden grundlegende Glaubenssätze erst einmal erkannt, gilt es, gut mit ihnen umzugehen. Indem man sich die Glaubenssätze bewusst macht, können die positiven Effekte noch effektiver eingesetzt und die negativen aufgelöst werden. Selbstverständlich lassen sich lieb gewonnene Überzeugungen, egal wie hinderlich sie sind, nicht von heute auf morgen ersetzen. Hier ist es darum wichtig, dass das Bewusstsein wie ein Muskel regelmässig trainiert wird: Je bewusster die Gegenbeispiele wahrgenommen werden, desto mehr Raum steht ihnen zur Verfügung. So werden Schritt für Schritt neue positive Denkmuster genährt und gefestigt.

Den Emotionen auf den Grund gehen

Negative Glaubenssätze sind immer auch mit Emotionen wie etwa Enttäuschung und Frustration verbunden. Gerade in hitzigen Momenten hilft es daher, Abstand von der Situation zu gewinnen, indem man das Gefühl bewusst wahrnimmt und benennt, bevor innerlich oder äusserlich reagiert wird. Oft verfliegt Wut oder Verzweiflung, sobald man sich bewusst wird, dass die Reaktion auf bestimmte Situationen und Gefühle verändert werden kann.

Förderliche Glaubenssätze vorleben

Alle Menschen besitzen Glaubenssätze – positive sowie negative. Ist man sich den eigenen Einstellungen erst bewusst, fällt es leichter, auch die Glaubenssätze im Umfeld zu erkennen. Da sie etwas sehr Persönliches sind, ist es nicht immer möglich oder sinnvoll, die Mitmenschen oder Mitarbeitenden direkt darauf anzusprechen. Das ist aber auch nicht unbedingt nötig: Auch so können positive Glaubenssätze der Mitarbeitenden bestärkt und die negativen verhindert werden. Dies, indem beispielsweise Erfolgserlebnisse gefeiert oder zumindest bewusst gewürdigt werden.

Gerade im Bereich der Arbeit kommen zu den persönlichen Glaubenssätzen noch weitere hinzu, welche ausschliesslich aus der Gesellschaft stammen. Leider ist deren Grundtenor oft Last, Pflicht und Müssen und allgemein eher negativ. Leichtigkeit, Lust und Freude kommen nicht zum Zug. Auch hier haben Führungspersonen einen grossen Einfluss auf die Mitarbeitenden: Werden den negativen Allgemeinplätzen förderliche Glaubenssätze entgegengehalten, ist dies sowohl für die Mitarbeitenden als auch für das gesamte Unternehmen ein Gewinn. Glaubenssätze prägen den Führungsstil einer Person und somit auch das Arbeitsklima.

Positive Glaubenssätze schaffen eine Umgebung, in der die Arbeit Freude bereitet und Entwicklung möglich ist. Wird durch die Führungsperson beispielsweise ein Glaubenssatz vorgelebt, in welchem Arbeit und Vergnügen keineswegs Gegensätze sind, beflügelt dies auch die Menschen im Umfeld. Gewiss ist: Eine bejahende Grundhaltung mit Fokus auf Stärken statt auf Fehlern legt ungeahntes Potenzial frei.

Autor:
Katrin Juntke berät Unternehmen und Menschen in Prozessen und Projekten mit dem systemischen und lösungsorientierten Coachingansatz, in denen es um Entwicklungen oder Veränderungen geht. Sie begleitet Klienten bei beruflichen Neuorientierungen und unterstützt Organisationen bei Rekrutierungsprozessen.
www.katrinjuntke.ch 

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