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Mitarbeiterengagement – «die Wunderdroge im Wettbewerb»

Veröffentlicht am 04.08.2022
Ein hohes Engagement der Mitarbeitenden hilft Unternehmen, sich einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen.
Wenn sich Produkte und Dienstleistungen angleichen, wird das Engagement der Mitarbeitenden zum entscheidenden Differenzierungsfaktor. Nur Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die stolz auf ihren Arbeitgeber und überzeugt von dessen Produkten sind, begeistern die Kundschaft nachhaltig. In der Managementlehre wird das Mitarbeiterengagement daher folgerichtig als «Wunderdroge für Wettbewerbserfolg» erkannt.

von Alexander Villiger, Leiter Personal der Graubündner Kantonalbank

Aber was schafft die Voraussetzungen, damit Mitarbeitende bereit sind, die berühmte Extrameile zu gehen und sich für die Unternehmensziele einzusetzen? Die Zusammenhänge scheinen klar: Begeisterte Mitarbeitende begeistern Kunden. Und diese wiederum begeistern das Management und die Eigentümer in Form von steigenden Wachstumszahlen. Doch Jahr für Jahr erfolgt die Ernüchterung, wenn Gallup, ein weltweit tätiges Marktforschungsinstitut, seine Studienergebnisse zum Mitarbeiterengagement offenlegt. Gallup zufolge bezeichnen sich weltweit bloss 15 Prozent der Mitarbeitenden als «hoch engagiert». 85 Prozent der Befragten geben an, wenig oder nicht engagiert zu sein. Ein entscheidender Teil des Wettbewerbspotenzials liegt also brach – mit Folgen für die Ertragslage und die Produktivität von Unternehmen. 

Tiefes Engagement als Warnsignal

Die beschriebenen Umfrageergebnisse sind in Zeiten des Fachkräftemangels umso alarmierender, als die überwältigende Mehrheit der Mitarbeitenden, die sich als wenig engagiert einstuft, keine emotionale Bindung zu ihrem Arbeitgeber aufweist. Das bedeutet, dass diese innerlich gekündigt haben und nur noch Dienst nach Vorschrift leisten. Unternehmen, denen es nicht gelingt, eine positive Führungs- und Unternehmenskultur zu etablieren, können also zum einen das vorhandene Marktpotenzial nur bedingt erschliessen. Zum anderen laufen sie Gefahr, talentierte Fachkräfte an die Konkurrenz zu verlieren. 

Unternehmenskultur ist entscheidend

Mitarbeitende treten einen Job in aller Regel optimistisch und voller Tatendrang an. Die Ernüchterung tritt erst im Verlauf der eigentlichen Leistungsphase ein, wenn sie feststellen, dass ihre Meinung – entgegen den Versprechen beim Bewerbungsgespräch – gar nicht über ihr eigentliches Jobprofil hinaus gefragt ist. Ihre Verbesserungsideen bleiben in funktionalen Silos oder in hierarchischen Zwischenstufen stecken. Und so ziehen sich talentierte Mitarbeitende – nach dem Motto «hier lohnt es sich nicht, sich einzusetzen» – in ihr Schneckenhaus zurück, oder sie suchen sich einen neuen Job und verlassen das Unternehmen. 

Mitarbeiterengagement erhöhen

Die Positive Psychologie befasst sich seit Jahrzehnten mit den positiven Aspekten der menschlichen Entwicklung. Im sogenannten Perma-Modell beschreibt der amerikanische Psychologe Martin Seligmann fünf grundlegende Dimensionen, welche Menschen aufblühen lassen und die sie für ein erfüllendes Leben instinktiv anstreben. Diese fünf Bausteine liefern der Unternehmensführung wertvolle Hinweise zur Etablierung eines positiven Führungsstils sowie zur Gestaltung einer fordernden und fördernden Unternehmenskultur:
P steht für positive Emotionen wie Spass, Stolz, Wertschätzung, Vertrauen oder Sicherheit. 
E steht für Förderung von individuellem Engagement, Mitgestaltung oder Stärkenorientierung. 
R steht für Relationship, also für die Gestaltung tragfähiger sozialer Beziehungen und Teamgeist. 
M steht für Meaning, also die Formulierung eines Purpose und die Ermöglichung von Sinnfindung. 
A steht für Accomplishment, also das Erreichen von Zielen, was Stolz und Energie vermittelt. 

Grösster Hebel der Wertschöpfung

Unternehmen, die es schaffen, das Mitarbeiterengagement stark anzuheben, verfügen über einen signifikanten Wettbewerbsvorteil. Selbst Jack Welch (20 Jahre CEO von General Electrics), bekannt für seine harten Management- und Optimierungsmethoden, gelangt am Ende seiner Karriere zur Einsicht, dass der Unternehmenserfolg im Wesentlichen in der Gestaltung der weichen Themen wie Leadership, Unternehmenskultur und Personalarbeit zu finden ist. 
Das Perma-Modell bietet eine Orientierungsgrösse für eine erfolgreiche Gestaltung dieser Faktoren. 

Bild: zVg GKB