Über- und Unterforderung präventiv angehen – mit positiven Folgen - suedostschweizjobs.ch
803 Artikel für deine Suche.

Über- und Unterforderung präventiv angehen – mit positiven Folgen

Veröffentlicht am 30.11.2021
Nicht mehr wissen, wo einem der Kopf steht: Überforderung, aber auch Unterforderung müssen nicht sein – entsprechende Prävention hilft Mitarbeitenden und dem Unternehmen.
Wie durch Vermeidung von Über- und Unterforderung im Arbeitsalltag ein wichtiger Beitrag für die psychische und physische Gesundheit der Mitarbeitenden geleistet werden kann. Unternehmen, die entsprechende Massnahmen einführen, erhöhen Motivation und Leistungsfähigkeit.

von Manuela Widera, Betriebsökonomin FH, selbstständige Organisationsberaterin und Coach BSO sowie akkreditierte Beraterin von Gesundheitsförderung Schweiz

Zahlreiche Massnahmen helfen, die Gesundheit, das Wohlbefinden, die Leistungsfähigkeit und die Motivation der Mitarbeitenden zu erhalten. Dazu zählen auch Massnahmen in den Bereichen Arbeitsorganisation und Aufgabengestaltung.
Im Arbeitsalltag gibt es verschiedene Faktoren, die einen Einfluss auf die physische und psychische Gesundheit sowie auf die Arbeitszufriedenheit der Mitarbeitenden ausüben. Eine wichtige Rolle spielen dabei Über- und Unterforderung. Beide können subjektives Stresserleben verursachen und so das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit der Mitarbeitenden reduzieren. Dabei wird unterschieden zwischen quantitativer und qualitativer Überforderung. Quantitative Überforderung bedeutet, eine zu grosse Arbeitsmenge im Verhältnis zur verfügbaren Zeit zu haben. Bei der qualitativen Überforderung geht es darum, dass die inhaltlichen Anforderungen der Tätigkeit nicht mit den Kompetenzen der Person übereinstimmen, beispielsweise für sehr komplexe oder (zu) schwierige Aufgaben. 

Über- und Unterforderung erkennen

Massnahmen zur Vermeidung von Über- und Unterforderung sollten idealerweise präventiv und systematisch umgesetzt werden. So ist es wichtig, die Führungspersonen auf das Erkennen von Anzeichen von Über- und Unterforderung und auf gesundheitsförderliche Führung zu sensibilisieren. Weiter sind zudem Instrumente wichtig, um insbesondere Überforderung frühzeitig zu erkennen, Das können Überstundenkontrolle und die regelmässige Thematisierung der Arbeitslast durch den Vorgesetzen sein. Das Thema kann auch als ein zusätzlicher Punkt im jährlichen Mitarbeitergespräch integriert und so regelmässig besprochen werden. 
So werden Über- und Unterforderung nicht zufällig, sondern präventiv erkannt. Beim Feststellen von Über- und Unterforderung sollten geeignete Massnahmen möglichst rasch umgesetzt werden.

Quantitative und …

Hilfreiche Massnahmen, um quantitative Überforderung präventiv anzugehen, sind: realistische Zielvereinbarungen, geeignete Arbeitsplanung, Delegation zwecks Reduktion des Arbeitsvolumens, Einhalten von regelmässigen Kurzpausen, Einschränkung der ständigen Erreichbarkeit durch klare Regeln, gutes Zeitmanagement, Umgang mit Arbeitsunterbrechungen sowie Förderung der Kompetenzen der Mitarbeitenden im Bereich persönliches Energiemanagement.

… qualitative Überforderung vermeiden

Bezüglich qualitativer Überforderung können folgende Massnahmen nützlich sein: Reduktion der Komplexität der Aufgaben, kontinuierliche Kompetenzentwicklung, um sicherstellen, dass die Mitarbeitenden über das nötige Know-how verfügen, Aufgaben- oder Stellenaufteilung auf mehrere Personen (Jobsharing), Aufgabenwechsel ermöglichen, angemessene Aufgabenzuteilung. 
Eine weitere Möglichkeit besteht darin, Mitarbeitenden Fallbesprechungen, Supervision und Coaching zu ermöglichen.

Massnahmen gegen Unterforderung

Nicht nur Überforderung kann die Gesundheit der Mitarbeitenden belasten, auch Unterforderung kann das. Wo sinnvoll und möglich können Massnahmen wie Arbeitsplatzwechsel (Job-Rotation), Aufgabenvergrösserung (Job-Enlargement) und Aufgabenbereicherung (Job-Enrichment) hilfreiche Instrumente sein, um Unterforderung gezielt und präventiv abzuwenden.
Ein aufmerksamer und systematischer Umgang mit Über- und Unterforderung leistet einen wichtigen Beitrag für die psychische und physische Gesundheit der Mitarbeitenden und kann auch helfen, einem Burn-out oder Bore-out entgegenzuwirken. 

Manuela Widera
www.soluziuns-solutions.ch

Bild: 123rf