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Starkes Wachstum der Teilzeit-, Projekt-, Freelance- und Temporär-Arbeit

Seit Jahren und kontinuierlich ändert sich die Beschäftigungssituation der Arbeitnehmenden. Teilzeit-, Projekt-, Freelance- und Temporär-Arbeit verzeichnen ein konstantes Wachstum. Dies resultiert in einer steigenden Erwerbsquote. Das bringt viele Chancen. Unabdingbar dafür ist die Anpassungsfähigkeit von Arbeitnehmenden und Arbeitgebenden. Gefordert ist grosse Flexibilität. 
Veröffentlicht am 17.01.2020 von Südostschweizjobs.ch
Starkes Wachstum der Teilzeit-, Projekt-, Freelance- und Temporär-Arbeit
Seit Jahren und kontinuierlich ändert sich die Beschäftigungssituation der Arbeitnehmenden. Teilzeit-, Projekt-, Freelance- und Temporär-Arbeit verzeichnen ein konstantes Wachstum. Dies resultiert in einer steigenden Erwerbsquote. Das bringt viele Chancen. Unabdingbar dafür ist die Anpassungsfähigkeit von Arbeitnehmenden und Arbeitgebenden. Gefordert ist grosse Flexibilität. 

Maurice Locher ist Inhaber und Geschäftsführer der Personalberatung Stellenwerk AG in Chur und Zürich

Mehr als 84 Prozent der Schweizer Wohnbevölkerung zwischen 15 und 64 Jahren üben eine Erwerbstätigkeit aus. Europaweit nehmen nur die Isländer noch intensiver am Arbeitsmarkt teil. Gesamtwirtschaftlich wird mit der Erwerbsquote gemessen, wie gut es gelingt, die Bevölkerung ins Erwerbsleben zu integrieren. Die sehr hohe Erwerbsquote ist ein zentraler Grund für den Wohlstand der Schweiz. Mehr als jeder dritte Schweizer Arbeitnehmende arbeitet Teilzeit. Nur in den Niederlanden ist die Teilzeitquote noch höher. 
Seit 1991 ist die Teilzeitarbeit bei beiden Geschlechtern gestiegen. Momentan gehen etwa 6 von 10 erwerbstätigen Frauen, aber nur 1,8 von 10 Männern einer Teilzeitarbeit nach. Die Teilzeitarbeit ist somit ein typisches Merkmal der weiblichen Erwerbsarbeit. U.a. durch den vom Bund unterstützten, starken Ausbau der Krippenplätze gelang es in den letzten Jahren, mehr Frauen in die Erwerbstätigkeit zu integrieren und die Erwerbsquote zu steigern (Quellen: BfS / Bundesamt für Statistik). 

Projekt- und Freelance-Arbeit im Hoch

Die Zeiten der lebenslangen, festen 100-Prozent-Anstellung bei einem einzigen Arbeitgeber sind langsam vorbei. An deren Stelle treten kurzfristige, projektbasierte Anstellungen, oft mit kleinen Pensen. Die Digitalisierung ermöglicht diesen Trend und die Entwicklung zu stark wissensbasierten Tätigkeiten in Hochlohnländern befeuert ihn. Die «Ich-AG» ist in angelsächsischen Ländern schon lange üblich, nun setzt sich die Projekt- und Freelance-Arbeit auch in der Schweiz immer mehr durch. 

Die Temporär-Arbeit wächst konstant

Für die einen ist Temporär-Arbeit ein Segen, für die anderen ein Fluch. Die Wahrheit liegt wohl in der Mitte. Fakt ist: Die temporäre Arbeit wächst in der Schweiz konstant und verfünffachte sich seit den Neunzigern. Europaweit liegt die Schweiz mit einer Quote von etwa 2,8 Prozent Arbeitnehmenden, welche temporär arbeiten, im Mittelfeld. Spitzenreiter mit etwa 4,3 Prozent ist Grossbritannien, Schlusslicht mit 0,8 Prozent ist Dänemark. Oft ergibt sich aus einer temporären Anstellung eine unbefristete Stelle, der temporäre Start erfolgt niederschwellig und bietet für Arbeitgeber und Arbeitnehmer Chancen. 

Gefragt ist Anpassungsfähigkeit

In Zeiten einer Arbeitslosenquote knapp über 2 Prozent und des Mangels an Fachkräften v.a. in den Mint-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) erhöhen Unternehmen die Chancen, die richtigen Fachkräfte zu gewinnen, indem Teilzeitstellen geschaffen werden und die Arbeit von zu Hause (Home-Office) ermöglicht wird. Zudem ist der temporäre Einstieg oft unkompliziert und projektbezogene Arbeiten bieten Chancen – für beide Seiten. Zementierte Hierarchien, starre Anforderungs- und Stellenprofile, lange Rekrutierungsprozesse und unflexible Arbeitszeitmodelle schrecken Arbeitnehmende ab. Arbeitnehmende sollten sich permanent weiterbilden, um die Arbeitsmarktfähigkeit zu erhöhen. Gefordert ist zudem grosse Flexibilität. Tönt selbstverständlich? Ist es jedoch für viele Unternehmen und Arbeitnehmende in der Südostschweiz (noch) nicht. 

Bild: Gerd Altmann / Pixabay