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Alternative für Gymnasiasten, Potenzial für Firmen

Arbeitsmarktthemen 23. Juli 2018
Alternative für Gymnasiasten, Potenzial für Firmen
Mit dem Praxisintegrierten Bachelorstudium (Pibs) schliesst die Fernfachhochschule Schweiz (FFHS) eine Lücke im Schweizer Bildungssystem. Gymnasiasten erhalten mit einer Kombination aus FH-Studium und Lehre einen zusätzlichen Bildungsweg. Das neue Modell verspricht den Firmen mehr und besser auf ihre Bedürfnisse hin ausgebildete Informatikfachkräfte. 
von Anja Bouron
 
Uni? Sehr theoretisch. Fachhochschule? Geht nur mit einem Jahr Praktikum. Lehre? Da hätte ich mich nicht durchs Gymnasium quälen müssen. So oder ähnlich mag es im Kopf vieler Maturanden zugehen, wenn sie sich für einen Weg nach der Kantonsschule entscheiden müssen.
Klar ist: Gymnasialmaturanden sind prädestiniert für die Universitätslaufbahn. Wer sich aber trotz Gymi-Abschluss nicht gleich zu Quantenphysik, Neurolinguistik oder Politologie berufen fühlt, hat es schwieriger. Denn die Alternativen für Gymnasiasten, die schnell in die Berufspraxis einsteigen wollen, sind in der Schweiz begrenzt.
 
Für Gymnasiasten mit Praxiswunsch
Weil man eine Lücke im gut abgedeckten Schweizer Bildungsmarkt witterte, vor allem aber auch, weil die Privatwirtschaft nach jungen Informatikern dürstete, hat die Fernfachhochschule Schweiz (FFHS) das Pilotprojekt «Praxisintegriertes Bachelor-Studium» (Pibs) lanciert. Beim Pibs wird ein klassisches Bachelorstudium mit der Praxiserfahrung, wie man es sonst nur aus der Lehre kennt, kombiniert.
 
Fachkräfte finden, inhouse ausbilden
Entwickelt wurde das Studienmodell gemeinsam mit der Schweizerischen Post und Swisscom. Wie viele andere Firmen in der Schweiz spürten auch die beiden ursprünglichen Projektpartner den Fachkräftemangel in den Mint-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik). Es gab und gibt noch immer zu wenige IT-Fachkräfte mit FH-Abschluss in der Schweiz. Die Digitalisierung dringt in mehr und mehr Geschäftsbereiche vor, zudem werden Arbeitsabläufe zunehmend komplexer. Mit dem Pibs erschlossen sich die beiden Unternehmen – und mittlerweile fast 20 andere Firmen – neben Werbe- und Rekrutierungsmassnahmen an Hochschulen einen weiteren Weg, um IT-Fachkräfte zu finden und intern auszubilden.
PiBS-Student Michael Hvidt arbeitet wöchentlich rund 20 Stunden bei der Swisscom. Bereits im Gymnasium war klar, dass für ihn die Universität zu theoretisch wäre. Nun ist er beim Pibs näher an der Praxis. Zudem zählen die «Studierenden» schnell als vollwertige Mitarbeitende wie auch Hvidts Mitstudent Janick Rüegger, der nach sechs Semestern bereits Projektleiter ist. «Anderthalb Jahre kumulierte Berufserfahrung und das Hintergrundwissen aus dem Bachelorstudium Informatik machen es möglich», erklärt er.
 
Internes Innovationspotenzial nutzen
Pibs-Studierende sind für Unternehmen aber nicht einfach günstige Arbeitskräfte. In sogenannten Transferarbeiten untersuchen sie Probleme aus dem Unternehmen unter akademischem Blickwinkel. Diese Arbeiten sind nicht zu unterschätzen, denn oft werden Innovations- oder Optimierungsbestrebungen infolge Zeitmangel oder fehlender Mittel aufgeschoben. Aber mit einer klaren
Abgabendeadline geht es bei Studierenden und Unternehmen schnell voran. So zeigen Transferarbeiten Firmen auf sehr effiziente Weise ihr Innovationspotenzial auf.
 
Anja Bouron ist Corporate Relations Managerin an der Fernfachhochschule Schweiz (FFHS) und verantwortlich für das praxisintegrierte Bachelorstudium (Pibs)
 

Bildlegende: Studium und Berufserfahrung verbinden: ein praxisintegriertes Bachelorstudium machts möglich.                                Bild kaboompics/Pixabay
 

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