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Wie es gelingt, in einer überstimulierten Gesellschaft zur Ruhe zu kommen

Arbeitsmarktthemen 21. März 2016
Überstimulierten Gesellschaft und wo ist die Ruhe - suedostschweizjobs.ch 1
Der Hamster ist schon fast zu beneiden: immerhin hat er eine überschaubare Einsatzstätte. Menschen aber strampeln sich auf vielen Bühnen ab: Am Arbeitsplatz, in der Freizeit, in der Familie und Partnerschaft – überall sollte und möchte man mehr bringen, mehr können, mehr verarbeiten. Als «Müdigkeitsgesellschaft» charakterisiert der Philosoph an die westliche Gegenwart. 
von Sina Bardill

Der ständige Aktivismus hat Folgen: Immer mehr Menschen laufen am Limit. Bereits Schulkinder entwickeln Burn-out-Symptome und der schweizerische Job-Stress-Index zeigt eine alarmierende Erschöpfungsrate bei den Erwerbstätigen.

Multitasking funktioniert nicht
Kein Wunder: Auch wenn das menschliche Gehirn plastisch und lernfähig bis ins hohe Alter ist – Menschen sind auch Säugetiere. Sie funktionieren nach Gesetzen, die über Jahrtausende stabil sind und die sich – wenn überhaupt – nur sehr langsam verändern. Dazu gehört z. B., dass sie nicht mehrere Dinge gleichzeitig in gleicher Qualität tun können. Wenn wir unsere Aufmerksamkeit splitten, dann tun wir Verschiedenes nur halbpatzig und entsprechend sind die Resultate. Die Leistung wird unter dem Strich nicht mehr, sondern weniger. Produktivität hat etwas mit Freiraum und Konzentration zu tun. Dies zeigt sich in Studien über besonders kreative Menschen: Diese brauchen leere Zeiten und sie nutzen auch unkonventionelle Rahmenbedingungen, um Lösungen zu entwickeln. Sie gehen entschlossen und regelmässig raus aus dem üblichen Alltagsstress – und auch raus aus der Büroroutine.

Konzentration macht glücklich
Wichtiger als Produktivität ist jedoch das Glück jedes Einzelnen. Die Glücksforschung belegt es: Verzettelung macht unglücklich. Alles halb, nichts richtig zu tun, immer auf dem Sprung sein, im beständigen Gefühl zu sein, das Wesentliche zu verpassen, macht unzufrieden. Das Gegenteil davon ist, ungestört an einer Sache dranzubleiben, sich einer Aufgabe voll und ganz zu widmen und auch etwas zu Ende zu führen. Im besten Fall kann eine solche Konzentration sogar zu einem «Flow» führen, einem Zustand des völligen Aufgehens in einer Tätigkeit, so wie sich etwa Kinder im Spiel ganz vergessen können.
Immer öfter fällt auch im betrieblichen Kontext das Stichwort «Achtsamkeit»: im Moment ganz da und dabei sein, statt sich zwischen Vergangenheit und Zukunft aufzureiben.

Waldspaziergänge?
Viele gute Ideen entstehen in der Stille, beim Träumen, Spazieren, bei der Gartenarbeit oder im Wald. So empfiehlt der Jugendpsychiater Michael Winterhoff überforderten Eltern Waldspaziergänge. Was auf den ersten Blick paradox anmutet, macht Sinn – sich ausklinken aus dem Wust von Ansprüchen, der «Allzeit-bereit-Mentalität». Eine Stunde bei sich sein, durchatmen, seine Gedanken ordnen – und sich durch die Schönheit und Ruhe der Umgebung inspirieren lassen. Genau in solchen Momenten tauchen plötzlich Ideen auf, wie man eine Situation anders verstehen oder angehen könnte. Neue Perspektiven zeigen sich. Und Belastungen und Probleme verlieren ihre übermächtige Dominanz. Wenn die ganze Arbeitswelt immer hektischer wird, braucht es Mut, als einzelne Person einen Gang zurückzuschalten. Letztlich hängt aber nicht nur das Glück des Einzelnen, sondern auch die gute Zukunft aller davon ab. Denn die «Müdigkeitsgesellschaft» kann die anstehenden Probleme nicht mit den Mechanismen lösen, durch die sie erst entstanden sind (wie schon Albert Einstein festhielt) – also nicht mit noch mehr Hektik. Jetzt braucht es die kreative Gegenkraft: Vom oberflächlichen Multitasking zu Präsenz und Vertiefung.
 
Sina Bardill ist Psychologin FSP und Supervisorin/Coach BSO. Sie arbeitet als Beraterin in eigener Praxis.
www.gestaltungs-raum.ch
 
 
Bildlegende: Auch Hamster machen hie und da eine Pause.     Bild Gosia/Pixelio.de
 
Und jetzt?
Ein Problem lösen? Eine Entscheidung treffen? Eine Idee entwickeln? Sich zwei Tage Zeit nehmen, um einen entscheidenden Schritt weiter zu kommen –
22. bis 24. April 2016 im Ardüserhaus in Scharans – mit Sina Bardill und Christof Arn.
Weitere Daten und nähere Informationen unter www.ardueserhaus.ch oder Telefon 081 651 50 43
 

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