Das Potenzial der über 45-Jährigen wird erkannt

Arbeitsmarktthemen13. Januar 2014
Das Potenzial der über 45-Jährigen wird erkannt
Die Bevölkerungsentwicklung und die rückläufigen Geburtenzahlen schicken ihre Zeichen voraus: Der Arbeitsmarkt wird längerfristig auf Angestellte im Alter von 45 Jahren und höher angewiesen sein. Für die über 45-Jährigen bedeutet dies ein lebenslanges Lernen.
Von Justin Meyer*
 
Es gibt viele Gründe, den erlernten Beruf aufzugeben. An erster Stelle stehen Depressionen und Burn-out, aber auch die Arbeitsplatzsituation. Vielfach hat sich der Arbeitsmarkt so entwickelt, dass der einmal gelernte Beruf heute nicht mehr gefragt ist oder die Anforderungen an das Berufsbild sich so verändert haben, dass ältere Arbeitnehmer damit überfordert sind. Durch Umstrukturierung vieler Berufszweige ist ein erhöhter Einsatz von Technik notwendig geworden, deren Bedienung eine entsprechende Qualifikation verlangt, welche ältere Arbeitnehmer nicht immer vorweisen können. Besonders die neuen Herausforderungen in der schnelllebigen Arbeitswelt sind für viele 45-Jährige noch zum Teil Neuland und somit Grund genug, in einen neuen Beruf umzuschulen.
 
Auf Vorkenntnisse aufbauen
Oftmals lässt sich für eine Umschulung ein Beruf finden, in dem bereits erworbenes theoretisches und praktisches Wissen aus dem Erstberuf genutzt werden kann. So könnte zum Beispiel ein Handwerker, der sein ganzes Berufsleben lang mit Baustoffen umgegangen ist, sein Wissen darüber gut als Verkäufer oder Berater in einem Baumarkt einbringen.
Es gibt zahlreiche Berufsgruppen, in denen auch langfristig nach Arbeitskräften – unabhängig vom Alter – gesucht wird. In verschiedenen Branchen ist ein Mangel an Fachkräften langfristig absehbar. Dieses Potenzial der Generation Ü45 ist auch von Unternehmen erkannt worden. Die Wirtschaft ist langfristig zum Umdenken gezwungen, Arbeitsplätze nicht ausschliesslich mit jungen, unerfahrenen Arbeitnehmern zu besetzen.
 
Motiviert sein für Neues
Auf der anderen Seite sollten auch ältere Arbeitnehmer motiviert sein, neue  Herausforderungen anzunehmen und beispielsweise über Kurse und Workshops den neuen Arbeitsalltag zu erlernen. Wer sich dazu entscheidet, sich im Rahmen einer Umschulung noch einmal neu zu qualifizieren, muss als Erstes die eigenen Bedenken ablegen, mit jüngeren oder gleichaltrigen Lernenden zusammen die Schulbank zu drücken. Eine
Weiterbildung dauert in der Regel nicht so lange wie reguläre Ausbildungen, da sie auf vorangegangene Ausbildungen aufbaut.
 
* Justin Meyer ist Leiter der Seminarabteilung der IBW  Höhere Fachschule in Chur.
 
 
Initiative «Perspektive 45 Plus»
«Perspektive 45 Plus» heisst die von der IBW Höhere Fachschule lancierte Initiative mit dem Ziel, Weiterbildungsangebote, die den Anforderungen und Wünschen dieses Alterssegments entsprechen, zu entwickeln. Dabei ist auch die Wirtschaft gefragt. Die IBW sucht aus diesem Grund noch interessierte Unternehmen, welche die Initiative unterstützen möchten. Dabei handelt es sich um einen Fragebogen, der per Mail (info@ibw.ch) angefordert und ausgefüllt werden kann. Mithilfe interessierter Teil­nehmer kann die Weiterbildungsschule noch mehr auf die Bedürf­nisse der Wirtschaft und der Arbeitnehmer der Ü45-Generation eingehen.

 
 

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