Bewerbungsgespräch: Welche Fragen muss ich beantworten?

Arbeitsrecht23. Oktober 2013
Bewerbungsgespräch - Welche Fragen muss ich beantworten -südostschweizjobs.ch
Sind Sie politisch in einer Partei aktiv? Haben Sie ansteckende Krankheiten oder Rückenbeschwerden? Sind Sie schwanger? Sind Sie homosexuell? Haben Sie Vorstrafen?
Im Rahmen eines Bewerbungsgesprächs versucht die künftige Arbeitgeberin den Stellenbewerber kennenzulernen und herauszufinden, ob dieser für die fragliche Arbeitsstelle geeignet erscheint. Dazu stellt die Arbeitgeberin eine Reihe von Fragen zur Persönlichkeit des Stellenbewerbers. Der Stellenbewerber seinerseits möchte bei der Arbeitgeberin im besten Licht erscheinen und Antworten, die mutmasslich einer Anstellung entgegen stehen könnten, vermeiden.
 
Die künftige Arbeitgeberin darf dem Stellenbewerber all jene Fragen stellen, die in einem unmittelbaren Zusammenhang mit der zukünftigen Arbeitsstelle und der zu leistenden Arbeit stehen. Ob eine Frage gerechtfertigt und somit gestellt werden darf, lässt sich daher nicht allgemein beantworten, massgebend ist vielmehr der konkrete Einzelfall. Entsprechendes gilt auch bezüglich Einverlangen eines Strafregisterauszugs.
 
Zulässige Fragen muss der Stellenbewerber wahrheitsgetreu beantworten. Entgegnet der Stellenbewerber wahrheitswidrig eine zulässige Frage und bemerkt die Arbeitgeberin die Lüge, so hat diese das Recht, das Arbeitsverhältnis fristlos aufzulösen, sofern ihr die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses nicht mehr zuzumuten ist. Dies dürfte regelmässig auch dann der Fall sein, wenn der Stellenbewerber für die Arbeitgeberin seit der Anstellung gute Arbeit geleistet hat.
 
Stellt die Arbeitgeberin hingegen eine unzulässige Frage, so kann der Stellenbewerber die Antwort verweigern. Da dieses Verhalten die Chancen auf eine Anstellung regelmässig schmälert, steht ihm alternativ auch ein „Notwehrrecht zur Lüge“ zu. Er darf daher unzulässige Fragen falsch beantworten, ohne negative Folgen tragen zu müssen.
 
Die Arbeitgeberin muss grundsätzlich alle die für sie wichtigen Fragen von sich aus stellen. Ausnahmsweise besteht jedoch eine Mitteilungspflicht des Stellenbewerbers: Er muss ungefragt informieren, wenn er für die vorgesehene Stelle wegen einer Eigenschaft völlig ungeeignet ist und der Arbeitgeber dies nicht von sich aus erkennen bzw. in Erfahrung bringen kann.
 
 
Autor: Jon Samuel Plotke, lic. iur. / Rechtsanwalt, Geschäftsleitung swissbroke, Fachdozent der MKS AG, Kompetenzzentrum für Marketing und Management, Sargans

Weitere Artikel aus dem gleichen Themenbereich

Kann ein befristeter Arbeitsvertrag mündlich abgeschlossen werden - Mehr Infos und Tipps im Ratgeber von südostschweizjobs.ch 1

Kann ein befristeter Arbeitsvertrag mündlich abgeschlossen werden?

25. Mai 2016 // Der Bewerbungscoach empfiehlt: Ein befristeter Arbeitsvertag ist mündlich gültig, jedoch… Mehr

Ferien gehören zur Arbeit

Ferien gehören zur Arbeit

17. März 2015 // Ferien gehören zur Arbeit, wie das Salz zum Meer. Viele Regelungen zu den Ferien finden sich in den… Mehr

Lohnfortzahlung - Krankheit und arbeitsunfähig  - suedostschweizjobs.ch

Lohnfortzahlung: Erhalte ich Lohn, obwohl ich wegen einer Krankheit arbeitsunfähig bin?

18. November 2014 // Krankheiten gehören zum allgemeinen Lebensrisiko und können jeden betreffen. In welchen Fällen… Mehr

Produktionsmitarbeiterinnen OPUS Personal Grischa AG
Strassen- und Tiefbau Polier (m/w) Transteam Personal AG Chur
Einkaufsleiter (m/w) Transteam Personal AG Chur
Elektroinstallateur/in Service Transteam Personal AG Chur
Servicetechniker Trabeco AG
Chef de Partie Gasthaus zum Rathaus
Service-Mitarbeiter Gasthaus zum Rathaus