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Der frühe Vogel fängt den Wurm - aber schmeckt er auch

Auswahl und Entscheid 23. August 2013
Frühe Vergabe von Lehrplätzen - Ist dies ein Vorteil  - südostschweizjobs.ch
Seit es das „Gentleman Agreement“ (keinen Lehrvertrag vor dem 1. November) nicht mehr gibt, übertrumpfen sich Lehrbetriebe mit der frühen Vergabe von Lehrplätzen. Ist dies wirklich ein Vorteil im Kampf um Talente?
Laden Unternehmen Ende September die ersten Bewerber zu einem Assessment ein, erhalten wir von rund einem Drittel bereits eine Absage, weil sie bereits eine Lehrstelle gefunden haben. Meistens sind das diejenigen Schüler mit sehr guten Noten. Einzelne Branchen sichern sich mit einer frühen Rekrutierung, die „besten Talente“. Aber sind das dann auch wirklich diejenigen Jugendlichen – respektive in dem Alter noch fast Kinder – die auch wirklich im Berufsleben erfolgreich sind? Sind gute Noten auch automatisch einen Garant für eine glorreiche Abschlussprüfung? Sind gute Schüler auch gute Mitarbeiter, die anpacken und mitdenken können?
 
Kann sein, muss aber nicht! Es gibt Schüler, die müssen für ihre guten Noten nicht viel leisten, weil es ihnen einfach leicht fällt, den Stoff im Unterricht aufzunehmen. Was passiert aber, wenn der Lehrer in der Berufsfachschule die Materie nicht so verständlich vermittelt und sich keine Zeit nehmen kann, alles mehrmals zu erklären. Was passiert, wenn plötzlich komplexe Themen auf den jungen Erwachsenen zukommen? Weiss ein Lernender nicht, wie man lernt, kann dies beim heutigen Erfahrungsnotensystem in der Berufsfachschule unter Umständen bereits den Lehrerfolg gefährden.
 
Dazu kommt, dass ein Schüler, der am Ende der zweiten Oberstufe einen Lehrvertrag „im Sack“ hat, nicht unbedingt derjenige ist, der sich im letzten Schuljahr noch viel Mühe geben muss. Dies sieht man auch häufig bei den Schulnoten und im Speziellen im Bereich Sozialkompetenz. Ein Jahr absitzen bevor es losgeht, ist eine lang(weilig)e Zeit und den Einstieg ins Berufsleben zu finden umso schwieriger. Es gibt jedoch auch Unternehmen, welche Lehrverträge kurz vor Lehrbeginn ausstellen.
 
Wenn man mehrere Lehrplätze zu vergeben hat, macht das sogar Sinn. Unternehmen legen Wert auf ein Team, das aus unterschiedlichen Jugendlichen besteht. Da gibt es die „Schnellentschlossenen“ (Oktober), die „Wählerischen“ (November), die „Spätzünder“ (Januar/Februar), die „Schulmüden“ von den Gymnasien (März) und die „Notfälle“ (April – Juli). In all diesen Typen – Charakteren – hat es sehr gute Kandidaten, alle bringen andere Qualitäten mit in die Ausbildung und das Team der Lernenden ist harmonischer.
 
Für diejenigen Lehrbetriebe, die nur eine oder wenige Lehrstellen zu vergeben haben, sei empfohlen, es einmal mit einem späteren Charakter zu versuchen – sie werden überrascht sein!
 
Übrigens: Durchschnittlich leben in einem intakten Ackerboden 100 bis 200 Würmer pro m2, in mehrjährigen Naturwiesen sind es oft doppelt so viele!
 
Autor: Felix Häberli, Leiter Berufsbildung / Sunrise Communications AG, Fachdozent/-in der MKS AG, Kompetenzzentrum für Marketing und Management, Sargans

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