Die (un)erträgliche Leichtigkeit des Alters – oder die tragende Rolle der Rentner

Arbeitsmarktthemen18. April 2016
Die erträgliche und unerträgliche Leichtigkeit des Alters - suedostschweizjobs.ch 1
Das Alter hat nicht eben einen guten Ruf. Nach offizieller Definition ist dieses der späte Lebensabschnitt, welcher auf das Berufsleben folgt. Es wird aber auch mit dem Nachlassen der Aktivität und dem körperlichen Niedergang gleichgesetzt. Eine weitere Definition des Alters: Ruhestand. Dabei nehmen Rentner in verschiedenen Bereichen der Gesellschaft eine aktive und bedeutende Rolle ein – auch auf dem Arbeitsmarkt. 
von Jakob Lerch

Stimmt das Bild des Rentners, der Rentnerin, die nur noch in den Cafés oder auf dem Bänklein vor dem Haus sitzen und warten, bis es Abend wird? Pensionierte, die fast nur noch über ihren Gesundheitszustand reden, jede Woche einen Arzt- oder Therapietermin haben und täglich jede Menge Medikamente schlucken? Oder stimmt das Bild des/der vitalen, aktiven Rentners/Rentnerin, die mit ihrem E-Bike ganz Europa befahren, die Skipisten und Bergrestaurants bevölkern und jede Art von Arbeit leisten? Ist es leicht, alt zu sein? Oder erträglich schwer?
 
Win-win-Situation für die Gesellschaft
Die Anzahl pensionierter Menschen in der Gesellschaft nimmt ständig zu, und Rentner spielen eine immer bedeutendere Rolle – für die Wirtschaft, die Kultur, den sozialen Zusammenhalt und nicht zuletzt für die eigenen Familien. 37 Prozent der über 65-Jährigen leisten freiwillige Arbeit: in Vereinen, wohltätigen Organisationen oder informell als Grosseltern, als Betreuerinnen von Kranken, in der Nachbarschaftshilfe. Und sie machen diese Arbeit gern, weil sie eine Win-win-Lösung ist: Eine Befriedigung für die alten Menschen und eine Entlastung der sozialen Aufgaben der Gesellschaft und der Familienmitglieder.
 
Beispiel Grosselternarbeit
Gegenüber ihren 50 Jahre jüngeren Enkelkindern haben Grosseltern einen grossen Erfahrungsschatz. Ihre Geschichte, ihr Glaube und Wertsystem wie auch ihre handwerklichen und haushalterischen Fähigkeiten vermitteln ihren Nachkommen wertvolles Verständnis für den geschichtlichen Wandel und die Generationenkultur.
 
Beispiel Dasein
Was viele der jüngeren Generationen nicht mehr können, ist das Dasein. Ruheständler müssen (vieles) nicht mehr – sie dürfen. Diese Freiheit ist ein besonderes Gut, von dem alle profitieren können. Mehr Sein als Haben. Auch Zeit zu haben für Unbedeutendes und die Möglichkeit zu besitzen, andern von dieser Zeit zu schenken.
 
Beispiel Berufserfahrung
Die jahrelang gesammelten beruflichen Erfahrungen und Kompetenzen der Rentnerinnen und Rentner sind auch nach der Pensionierung noch vorhanden. Sie wollen gebraucht und eingesetzt werden. Viele Pensionierte arbeiten auf kleinerer Flamme weiter, meist unentgeltlich und freiwillig. Sie können ihr Wissen auf ihrem Fachgebiet gezielt und nutzbringend weitergeben. Gemeinnützige Organisationen profitieren von diesem Engagement.
 
Beispiel Innovage

Das schweizweit tätige Netzwerk von pensionierten Fachkräften aus der Wirtschaft, Verwaltung, Bildung und dem Sozialwesen unterstützt und begleitet Hunderte gemeinnütziger Projekte und Institutionen bei der Verwirklichung ihrer Ideen und Aufgaben. Die Innovage-Beraterinnen und Berater haben Erfahrung in der Projektentwicklung, bei der Umsetzung von Konzepten, in Strategie sowie in Management und Beratung.
 
Jakob Lerch, Dr. phil, 71 und wohnhaft in Pany, ist Psychologe mit langjähriger Praxis als Coach und Organisationsberater. Seit seiner Pensionierung leitet er das Innovage-Netzwerk Graubünden.
www.innovage.ch
 
 
Bildlegende: Der Ruhestand kann warten: Eine Rentnerin als willkommene und wertvolle Unterstützung im Schulunterricht.                 Bild Archiv SO
 

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