Lieber mehr Ferien als mehr Lohn

Work Life Balance23. September 2014
Lieber mehr Ferien als mehr Lohn
Ein guter Lohn ist nicht alles. Denn Arbeit ist auch im 21. Jahrhundert mit vielen Mühen verbunden. Das zeigt eine Umfrage zur Work-Life-Balance.
Die Gretchenfrage zur Work-Life-Balance ist wohl die: Wenn man wählen könnte, möchte man dann lieber mehr Lohn oder mehr Ferien? DemoSCOPE hat diese Frage im Auftrag von Swiss Engineering fast 3700 Ingenieuren und Architekten im Rahmen einer Salärerhebung online und schriftlich gestellt. Für die Mehrheit der Teilnehmer dieser Umfrage liegt die Priorität in diesen oft anspruchsvollen und gut bezahlten Jobs nicht beim Salär, sondern bei den zeitlichen Freiräumen. 60% möchten mehr Ferien, nur 39% mehr Lohn. 1% kann sich nicht entscheiden. Im Lauf der Karriere verschieben sich die Präferenzen deutlich: Junge Erwerbstätige, die noch nicht so viel verdienen, möchten praktisch zu gleichen Teilen mehr Lohn bzw. mehr Ferien. Bei den Ältesten, die die Belastung der Arbeit mehr und mehr spüren, überwiegt das Bedürfnis nach mehr Erholungszeit im Verhältnis von 2:1. Auch Selbständige wünschen sich primär mehr Ferien.
 
Teilzeitarbeit ist in Kleinstfirmen am häufigsten
Teilzeitarbeit ist ein Aspekt, der die Work-Life-Balance positiv beeinflussen kann. Dreiviertel aller Umfrageteilnehmer arbeiten aber voll und möchten daran nichts ändern. 11% sind schon in einem Teilpensum, weitere 14% möchten eines. Nur wenige, die dieses Ziel anstreben, glauben selber, dass dies in ihrer Funktion problemlos möglich wäre. 59% halten dies „unter Umständen“ für möglich. Es braucht wohl in vielen Fällen den guten Willen und die Kompromissbereitschaft beider Seiten.
 
Der Anteil derjenigen, die heute Teilzeit arbeiten, ist in allen Altersgruppen ähnlich hoch. Die Motivation dahinter ist hingegen wohl unterschiedlich, etwa Aus- und Weiterbildung bei den Jüngsten, Kinderbetreuung bei den Mittleren und schrittweiser Rückzug aus dem Berufsleben bei den Ältesten. Gross ist die Zahl der Teilzeiterinnen unter den wenigen Frauen. 34% sind teilzeitlich beschäftigt, weitere 16% streben dies an. Nur jede zweite Frau arbeitet somit in einem 100%-Pensum und möchte dies auch längerfristig.
 
Nicht unbedingt den Erwartungen entspricht die Tatsache, dass unter denjenigen, die in Mittel- und Grossbetrieben arbeiten, der Anteil der Teilzeit-Mitarbeitenden deutlich kleiner ist als in Klein- und vor allem Kleinstbetrieben. Das widerlegt die oft gehörte Behauptung, grosse Unternehmen seien eher bereit und in der Lage, Teilzeitstellen anzubieten.
 
Daheim wird wohl nicht immer freiwillig gearbeitet

Wesentlich weiter verbreitet als Teilzeitarbeit ist Arbeit daheim. Fast jeder Vierte arbeitet heute schon zeitweise in den eigenen vier Wänden. Vergleichsweise gering ist mit 17% der Anteil derjenigen, die dies noch nicht können, aber gerne möchten. Nur die wenigsten halten dieses Unterfangen für problemlos möglich, eine klare Mehrheit von 62% glaubt aber „unter Umständen“ an die Realisierbarkeit.
 
Besonders gross ist der Anteil derjenigen, die auch daheim arbeiten, unter den Geschäftsleitern und Firmeninhabern. Das deutet darauf hin, dass daheim oft ausserhalb der üblichen Betriebszeiten, also abends und an Wochenenden, Pendenzen erledigt werden. Auch Spezialisten operieren überdurchschnittlich oft aus ihrem „Home-Office“ heraus.
 
Klein ist die Zahl derjenigen, die von zu Hause aus operieren, bei den jüngsten Erwerbstätigen. Sie sind noch seltener in eine leitende Stellung vorgerückt oder haben Spezialistenstatus erlangt. Aber es hängt vermutlich auch damit zusammen, dass Heimarbeit auch Vertrauenssache ist und junge Mitarbeitende sich dieses Vertrauen bei ihren Vorgesetzten zuerst erwerben müssen.
 
Autor: Werner Reimann, Leiter HR-Forschung bei DemoSCOPE

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